„Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen“

Ganz im Zeichen des „Naumburger Meisters“ präsentiert sich 2011 der Kern des Sachsen-Anhaltinischen Saalestädchens Naumburg, das im Mittelalter Bischofssitz und bedeutender Handelsplatz war.

Stifterfigur Uta von Ballenstedt. Quelle cab-artis

Stifterfigur Uta von Ballenstedt. Quelle cab-artis

Kern der Ausstellung des Landes Sachsen-Anhalt „Der Naumburger Meister“, die sich vom 29.06. bis zum 02.11.2011 dem Besucher an verschiedenen Orten des historischen Zentrums Naumburgs präsentiert, ist der Westchor des imposanten Doms St. Peter und St. Paul. Hier lässt sich anhand der Architektur, Skulptur und Wandmalerei die „Handschrift“ eines aus Mainz stammenden Bildhauer-Architekten erkennen, der zweifellos zu den führenden europäischen Meistern seiner Zeit gehört hat.

„Der Naumburger Meister“ ein Bildhauer-Architekt europäischen Ranges

Anhand von Bauforschung und Stilkritik haben die Wissenschaftler das Wirken des als Person anonym gebliebenen Bildhauer-Architekten und seiner Werkstatt rekonstruiert und präsentieren dies im Rahmen der Landesausstellung in Form von Originalen und Abgüssen. Immerhin finden sich stilistisch zuordenbare Spuren zum Meister und seinen Mitarbeitern in Mainz und Meißen, möglicherweise auch in Reims, Noyon, Coucy und Metz. Der um 1250 fertiggestellte Westchor ist aber nicht nur der Ansatzpunkt für die Spurensuche nach dem begnadeten Meister, er dokumentiert durch sein erhaltenes Ensemble von Bildhauerei, Glasfenstern und Malerei auch die Aussagekraft mittelalterlicher Bildersprache. Dem heutigen Besucher werden im Rahmen der Ausstellung die stilistischen und programmatischen Zusammenhänge der dem leseunkundigen Gläubigen die Heilsgeschichte vermittelnden mittelalterlichen Bildwerke durch den Vergleich von Handschriften, Schatzkunst und Glasmalerei nahegebracht.

Uta von Ballenstedt, die geheimnisvoll-aufregende Askanierin

Einen mittelalterlichen Superstar können die Ausstellungsmacher mit der Figur der Uta von Ballenstedt, der Gemahlin des Stifters Ekkehard II. ebenfalls vorweisen. Die „schönste Frau des Mittelalters“, die sich zusammen mit ihrem Gemahl als eine von zwölf Stifterfiguren  im Westchor befindet, ist zweifellos ein Glanzlicht des Schaffens des unbekannten Meisters. Die in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts lebende Adelige gehörte der Gründergeneration eines der bedeutenden Adelsgeschlechter ihrer Zeit, den Askaniern an, deren wohl legendärster Vertreter „Albrecht der Bär“ (12. Jh.) als Gründer der Mark Brandenburg in die Geschichte einging. Rund 200 Jahre nach ihrem Ableben setzte der Naumburger Meister der schönen Askanierin mit der eindrucksvollen Stifterfigur ein Denkmal, dessen Faszination bis in die heutige Zeit hineinreicht. Selbst Umberto Eco, der Autor von „Der Name der Rose“ träumte von „einem vertrauten tête-à-tête beim Abendessen mit der geheimnisvoll erscheinenden Frau.

Dombau im Fokus des höfischen Mittelalters

Aber bei der Ausstellung, in die neben dem Dom auch das Schlösschen am Markt, die Marienkirche am Dom, die Domklausur, das Stadtmuseum „Hohe Lilie“ mit einbezogen sind, geht es nicht nur um Kunst und Architektur. Dem Besucher eröffnet sich am Kristallisationspunkt des Naumburger Doms und seines Meisters  die ganze Welt des herrschaftlichen, höfischen Mittelalters, mit der Thematisierung von Kunst und Wissenschaft jener Zeit, der mittelalterlichen Religiosität oder dem „Stiftungswesen“. Und nicht zuletzt wird auch die politische und kulturelle Rezeption der Figur der Uta thematisiert.

Im Domgarten findet sich schließlich eigens für die Ausstellungszeit eingerichtete Bauhütte, die dem Besucher den mittelalterlichen Baubetrieb nahebringt. Faszinierend dabei, auch zu erfahren, wie sehr sich die heimische Pflanzenwelt in den Kapitellen, Friesen und Schlusssteinen des Westlettners (eine architektonische Schranke, die das Kirchenschiff der Laien vom Chorraum der Geistlichen abtrennt) und des Westchores wiederfindet.

Von Naumburg zur Neuenburg, Exkursionen in die Region

Mit den rund 300 Exponaten aus Frankreich, Deutschland, Polen, Großbritannien, Österreich und den USA auf 2.500 m² Ausstellungsfläche hat das beschauliche Städtchen 2011 noch einiges mehr als sonst zu bieten. Auch ohne die lohnenswerte Landesausstellung ist die Domstadt an der Saale immer eine Reise wert. Denn neben den eindrucksvollen und kulturgeschichtlich hochrangigen Sakralbauten Naumburgs finden sich im nahen Umfeld der Stadt bemerkenswerte Ziele für Exkursionen. Genannt sei hier beispielsweise die kaum sieben Kilometer entfernte Winzerstadt Freyburg mit der mächtigen Neuenburg, einem Besichtigungsmuss, wenn man sich in dieser Gegend aufhält.  Neben der Tatsache, dass die Neuenburg eine der ältesten und wichtigsten Festungen der thüringischen Landgrafen war, findet der Besucher dort eine architektonisch und stilistisch außergewöhnliche Doppelkapelle deren Anfänge bis die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückreicht.

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Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Ausstellungen

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